Große Visionen, aber schnelle kleine Schritte

Soziale Nachhaltigkeit entsteht dort, wo unterschiedliche Akteur*innen Verantwortung übernehmen, gemeinsam handeln – und große Visionen mit konkreten, kleinen Schritten verbinden.
  • 24. Februar 2026
  • 4 min. Lesezeit
PaneldiskussionPaneldiskussion
© Christiane Thoroe / ZKfN

Wie entsteht soziale Nachhaltigkeit konkret vor Ort? Und was braucht es, damit aus guten Absichten tragfähige Strukturen werden?

Bei der „Werkstatt der Mutigen“ im DenkRaum Braunschweig kamen am 20. Februar mehr als 80 Akteur*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft zusammen, um genau diese Fragen zu diskutieren und um das Netzwerk „Ecosystem Social Sustainability“ (ESS) weiter aufzubauen. Das ZKfN hat diese Veranstaltung als Kooperationspartner unterstützt und seine Expertise im Bereich nachhaltiger Transformationsprozesse in der Region eingebracht. Weitere Partner sind ProjectTogether und Enactus Braunschweig e. V.

Soziale Nachhaltigkeit übersetzen und leben
Initiiert wurde das Netzwerk ESS von Prof. Dr. Susanne Robra-Bissantz vom Institut für Wirtschaftsinformatik der TU Braunschweig im Rahmen der „Ecoversity“-Initiative. In ihrer Begrüßung machte sie deutlich, dass soziale Nachhaltigkeit ein abstraktes Konstrukt ist, das wir übersetzen und leben müssen. Sie betonte: „In einem sind wir alle vereint: Wir sind interessiert am Wohlergehen der Menschen, neugierig und offen.“

Seit Herbst 2025 arbeiten mehrere Arbeitsgruppen in Braunschweig gemeinsam zu Themen wie „Soziale Teilhabe“, „Transformative Bildung“, „Ländliche Räume“ und „Offene freie Forschung“. Ziel ist es, langfristig Probleme gemeinsam zu lösen und Konzepte zu entwickeln, die auch finanziell tragfähig sind.

Deutlich wurde: Dafür braucht es Räume, um Gemeinschaft zu spüren und Energie live zu erfahren. Ebenso wichtig ist Ambiguitätstoleranz – also die Fähigkeit, Unsicherheit und Unklares auszuhalten. Gerade in Zeiten globaler Krisen geht es darum, eine Region zu sein, in der niemand zurückgelassen wird. Für die Forschung, so Robra-Bissantz, heißt das: Wenn Forschung Gesellschaft formt, muss sie sich fragen, wohin sie forscht – dorthin, wo es der Gesellschaft gut tut.

Gemeinwohl vor Gewinnmaximierung
In einer Panel-Diskussion berichteten Vertreter*innen aus Wirtschaft, Kultur, Bildung und aus dem bundesweiten Organisationsteam der „Werkstatt der Mutigen“, wie sie soziale Nachhaltigkeit praktisch umsetzen.

Dabei waren sie sich einig: Gemeinwohl steht über Gewinnmaximierung. Und: Engagement entsteht nicht durch Broschüren, sondern durch konkretes Handeln.

Einige Beispiele aus der Praxis:

  • Dr. Alexander Tourneau, Vorstandsmitglied der Öffentlichen Versicherung Braunschweig berichtete, dass das Unternehmen in der Stadt einen günstig mietbaren Raum für gesellschaftliche Initiativen bereitstellt und seinen Mitarbeitenden einen Tag Ehrenamt pro Jahr ermöglicht.
  • Dr. Heike Pöppelmann, Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums erzählte von Partizipationsmöglichkeiten, indem Bürger*innen Objekte aus dem Familienbesitz einbringen oder Ausstellungsideen mitentwickeln können.
  • Joanna Haag von SEEd - Social Entrepreneurship Education aus Kiel zeigte, wie soziale Innovation in der Schule ansetzen kann. In kostenlosen Projektwochen entwickeln Schüler*innen eigene Lösungen für ökologische und soziale Herausforderungen. Der Fokus liegt auf ökonomischer Bildung – von der Idee bis zur Umsetzung. So entsteht konkrete Selbstwirksamkeit.

Einfach mal machen
Ein zentrales Motiv des Abends lautete: Große Visionen sind wichtig. Gleichzeitig braucht es schnelle, kleine Schritte, damit Momentum entstehen kann. Oder, wie es mehrfach formuliert wurde:

Einfach machen.
Rausgehen, um Leute reinzubringen.
Und Menschen fragen, ob sie mitmachen.

Der Apell lautete, das Netzwerk bzw. größer gedacht, Ökosystem frühzeitig aufzubauen – bevor gesellschaftliche Spannungen und finanzielle Engpässe Handlungsspielräume weiter einschränken. Dafür gilt es, nicht zu belehren, sondern in den Austausch zu gehen. Denn ob Demokratie funktioniert, erlebt man vor Ort, in Städten und Kommunen.

Nach der Diskussion wurde weitergearbeitet: In einer interaktiven Kennenlernrunde, beim anschließenden Austausch am Buffet und in Gesprächen mit den Arbeitsgruppen entstanden neue Kontakte, konkrete Projektideen und spürbare Aufbruchsstimmung.

Es geht weiter!
Die Werkstatt hat gezeigt: In Braunschweig gibt es nicht nur Ideen, sondern auch den Willen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam ins Handeln zu kommen. Lebendige Netzwerke entstehen dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und wo Mut, Offenheit und Ausdauer aufeinandertreffen.

Entscheidend wird nun sein, diese Energie in dauerhafte Strukturen zu überführen. Der DenkRaum kann dafür zu einer zentralen Infrastruktur werden – als Ort, an dem Kooperation nicht nur diskutiert, sondern dauerhaft gelebt wird.

Die nächste Werkstatt der Mutigen findet am 3. September in Braunschweig statt. Wer mitwirken möchte, kann sich den Termin schon jetzt vormerken, in einer der Arbeitsgruppen einbringen und das Ökosystem Soziale Nachhaltigkeit aktiv weiterentwickeln.

Über das Format „Werkstatt der Mutigen“
Die Werkstatt der Mutigen ist ein bundesweites Veranstaltungsformat der Allianz der Gestalter*innen und ProjectTogether. Die zentrale Auftaktveranstaltung fand am 29. Januar 2025 in Berlin statt. Seitdem entwickeln beide Partner das Format kontinuierlich weiter und bringen es in die Regionen, um lokale Initiativen zu vernetzen und gesellschaftliche Gestaltungskraft zu stärken. Auf dem Panel in Braunschweig war auch Edouard Morello, Project Manager der Allianz der Gestalterinnen, vertreten.

Weitere Informationen: www.werkstatt-der-mutigen.org

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